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DR Kongo

Steffen Krüger

Die DR Kongo ist ein Land, in dem über 4 Millionen Menschen von Vertreibung betroffensind. Innerhalb der Republik gibt es ca. 120.000 Flüchtlinge und über 2,8 Millionen Binnenflüchtlinge.Aus dem Kongo sind derzeit 520.000 Menschen geflüchtet, 67.000 Kongolesen sind auf der Suche nach Asyl.

Medienberichte und die öffentliche Wahrnehmung in der DR Kongo sind hinsichtlich dieser Thematik meist auf die Situation der Flüchtlinge und Binnenvertriebene im Land bezogen. Insbesondere die zahlreichen Menschenrechtsverletzungen und gewaltsamen Übergriffen gegen die Flüchtlinge werden in den lokalen und internationalen Medien thematisiert.

Politische Parteien oder Organisationen der Zivilgesellschaft haben keine Positionierung zu dem Thema Migration. In den politischen Diskussionen werden gelegentlich Überfälle auf kongolesische Flüchtlinge im afrikanischen Ausland aufgegriffen. Vor allem die Situation der Flüchtlinge, die in Angola oft Repressalien durch Sicherheitskräfte ausgesetzt sind, werden diskutiert und meist kritisiert.

Projekte zur Verbesserung der Lage von Migranten vor allem in den Konfliktgebieten sind sehr zahlreich und vielseitig. Innerhalb der Entwicklungszusammenarbeit mit der DR Kongo, macht die Arbeit mit Flüchtlingen einen hohen Anteil aus. Wichtigster Akteur sind die Vereinten Nationen. Vor allem private Geber und die durchführenden Organisation versuchen, den Flüchtlingen bei Verletzungen oder bei der Überwindung von Traumaerfahrungen zu helfen. Geographisch sind diese Projekte im Osten des Landes (Provinzen Orientale, Kivu
Provinzen und Katanga) angesiedelt.

Kongolesische Flüchtlinge sind in vielen Ländern der Welt anzutreffen, vor allem in Südafrika und Angola, aber auch in Frankreich und Belgien leben viele Kongolesen. Aufgrund der hohen Flüchtlingsrate und Verstößen gegen Einreisevorschriften gelten für Kongolesen mitunter die strengsten Visavorschriften. Visaanträge für den Schengen-Raum werden von der belgischen Botschaft häufig abgelehnt. Auch die deutsche Botschaft vergibt nur noch vereinzelt Visa. Über diesen Umstand wird auch in Deutschland diskutiert. Zum einen haben deutsche Organisationen sehr oft Schwierigkeiten, Kongolesen nach Deutschland einzuladen. In einem Fall hat eine kirchliche Organisation viel Geld verloren, weil bereits hohe Kosten entstanden sind und dann die Visaanträge abgelehnt worden sind. Zum anderen gibt es sehr viele Beispiele von Delegationsreisen, bei denen Kongolesen verschwinden. 2012 ist bis auf eine Person die komplette kongolesische Olympiamannschaft in London „untergetaucht". Der Menschenhandel mit all seinen Facetten – Fälschung von Dokumenten, Visabetrug, illegale Einreise – spielt im Kongo eine große Rolle. Menschen in den obersten Schichten profitieren von diesem Geschäft.

Hauptgründe für eine Abwanderung sind in erster Linie die schlechte soziale und ökonomische Lage im Land und der Versuch, sich und seiner Familie ein besseres Leben in anderen Ländern zu ermöglichen. Kongolesische Expats, die viel Geld mitbringen oder überweisen, genießen in der Bevölkerung ein hohes Ansehen.

Vor allem für Akademiker und junge Menschen ist die Lage in der DR Kongo nicht sehr optimistisch. Die Armut und Arbeitslosigkeit ist überall sehr hoch und es gibt kaum Perspektiven. Mitunter spielt die schlechte Qualität der Ausbildung in der DR Kongo eine Rolle. Viele Kongolesen hoffen in Europa und in den USA auf eine bessere Ausbildung und anschließend eine berufliche Zukunft.

Vor den letzten Wahlen 2011, aber auch im Zuge der wirtschaftlichen Krise, gab es eine Reihe von Kongolesen, die aus dem Ausland nach Kongo zurückgekehrt sind. Diese hatten oftmals vergeblich gehofft, eines der höheren politischen Ämter zu bekommen.

Namibia

Dr. Bernd Althusmann (25.08.2015)

Das Thema Flucht und Migration spielt in der öffentlichen Wahrnehmung Namibias eine untergeordnete Rolle. Thematisiert werden vor allem die Flüchtlingsproblematik in Südafrika oder das namibische Flüchtlingscamp Osire im Norden von Windhoek.

Eine regelmäßige Berichterstattung oder eine Kommentierung der Situation der Flüchtlinge in Europa finden nicht statt. Berichtet wird höchstens, wenn es zu einem Unglück oder zu Ausschreitungen kommt. Die großen Zeitungen bedienen sich ausschließlich bei den internationalen Presseagenturen. Dominierend hierbei sind dpa und Reuters. Die Berichte handeln meist von der Herausforderung, vor der Europa und vor allem Deutschland in diesem Kontext stehen. Es wurden sowohl die neuen Flüchtlingszahlen erwähnt wie auch die Probleme, die deren Unterbringung und Versorgung mit sich bringen. Aktuell prägen aber vor allem negative Schlagzeilen über Ausschreitungen gegen Flüchtlingsheime das Bild (Beyond the ugly headlines, Germans open hearts, homes for refugees – The Namibian; Refugees Germany's ‘biggest challenge' – Sun).

In der Allgemeinen Zeitung, der einzigen deutschsprachigen Zeitung Afrikas, fand sich am 09.08.2015 ein Kommentar über die Entwicklung der Bevölkerungszahl in Afrika und die damit verbundenen Probleme. Dabei wurde davor gewarnt, dass das Bevölkerungswachstum auch Auswirkungen auf Europa haben würde. Beklagt wurde aber vor allem, dass es sich bei dem Thema Flüchtlinge um ein Tabuthema in afrikanischen Staaten handele.

In den Sozialen Medien wie etwa Facebook sind die Flüchtlinge in Namibia das dominierende Thema. Lediglich in Gruppen deutschstämmiger Namibier lassen sich zudem Diskussionen über die Problematik in Europa finden. Hier lassen sich leider ähnliche Beobachtungen wie in Deutschland machen. Die Salonfähigkeit fremdenfeindlicher Argumentationen und Aussagen ist insbesondere bei einigen Nachkommen deutscher Aussiedler zu beobachten. Diese werden in der namibischen Presse jedoch nicht als repräsentativ angesehen und finden deshalb kein Gehör in der Berichterstattung.

Abschließend lässt sich sagen, dass die internationale Flüchtlingskrise und die daraus resultierenden europäischen und deutschen Probleme in der namibischen Öffentlichkeit wenig Aufmerksamkeit erhalten.

Nigeria

Hildegard Behrendt-Kigozi (17.09.2015)

Migration ist in den Medien Nigerias vor allem im Hinblick auf die vor der Terrorgruppe Boko Haram fliehenden, internen Vertriebenen aus dem Nordosten des Landes ein Thema. Die Zahlen schwanken zwischen ca. 1,5 Millionen bis 3,3 Millionen interner Flüchtlinge.*

Migration von Nigerianern in Industrieländer oder auch Ghana oder Südafrika wird nicht kritisch gesehen, man ist eher stolz auf Landsleute, die in diesen Ländern studieren oder sich dort integrieren und gute Positionen einnehmen und dadurch ihre Familien in Nigeria unterstützen.

Die Berichterstattung zu den aktuell nach Europa flüchtenden Menschen aus Syrien oder Afghanistan gleicht der Berichterstattung von CNN, BBC oder Al Jazeera. Die Bereitschaft Deutschlands, eine hohe Anzahl von Flüchtlingen aus Kriegsgebieten aufzunehmen wird sehr positiv aufgenommen. Berichterstattung zu den Angriffen rechtsnationaler Extremisten und Krimineller auf Unterkünfte von Asylsuchenden finden dann Beachtung, wenn es sich um Taten handelt, die in der internationalen Presse aufgegriffen werden.

Es kommt vor, dass man von Einzelpersonen gefragt wird, ob es nicht sehr schwierig sein wird, so viele Fremde, noch dazu anderer Kultur und Glaubens, in Deutschland zu integrieren und ob dies nicht Gefahren für die Zukunft berge, wenn die Flüchtlinge sich nicht dem deutschen Rechtsverständnis und der Kultur anpassen.

In entwicklungspolitischen Gesprächen wird auf den durch Migration bedingten „Brain Drain" hingewiesen, aber auch darauf, dass diese Migranten im Falle einer Rückkehr nach Nigeria einen positiven Einfluss auf die Entwicklung des Landes nehmen könnten. Andererseits machen die Rücküberweisungen von Emigranten ca. 4.5 Prozent des nigerianischen BNP aus und tragen auf diese Weise erheblich zur wirtschaftlich und sozialen Entwicklung ihrer Familien bei.

Migration von Nigerianern in andere gut entwickelte Staaten wird nicht als Problem gesehen. Es gibt viele ausgebildete Nigerianer, die keinen festen Arbeitsplatz haben und für den privaten Arbeitsmarkt und die staatliche Verwaltung gibt es weit mehr Bewerber als Stellenangebote. Selbstständigkeit ist in der Regel nur eine Option, wenn die Familien entsprechende Finanzmittel zur Verfügung haben.

Die USA, Großbritannien, Südafrika, Gambia, Kanada, Malaysia und danach Deutschland und die Schweiz führen die Liste der Zielländer für Nigerianer an. Hauptgründe für die Migration aus Nigeria sind bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen sowie eine generelle Stabilität in den Zielländern.  

* Vgl. Internally displaced people: International Displacement Monitoring Centre (iDMC)

Artikelzustand: Neu ohne Karton :
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Benin

Elke Erlecke / Valentin Katzer (02.09.2015)


Benin ist weder ein klassisches Einwanderungsland und Zufluchtsortort für Flüchtlinge, noch ist es von einem Exodus der eigenen Landsleute gekennzeichnet. Immigration und Emigration, die überwiegend innerhalb Westafrikas stattfinden und mehrheitlich arbeitsbedingt sind, halten sich in etwa die Waage1. Nach offiziellen Angaben machten Einwanderer im Jahr 2002 etwa 2 Prozent der Gesamtbevölkerung Benins aus2. Dementsprechend ist Migration kein prioritäres Thema in der öffentlichen Diskussion und wird nicht als drängendes Problem wahrgenommen.

Im Rahmen der diversen Krisen der letzten Jahre in der Region (Togo, Côte d'Ivoire, Mali) suchten gleichwohl mehrere Tausend Flüchtlinge in Benin Zuflucht. Logistisch bleiben die Behörden Benins auf die Hilfe internationaler Organisationen angewiesen. Auf politischer Ebene ist jedoch die Bereitschaft der beninischen Regierung hervorzuheben, bleibewilligen Flüchtlingen eine längerfristige Perspektive im Land zu eröffnen und jene, die in ihr Heimatland zurückkehren möchten, dabei zu unterstützen. Durch diese doppelte Strategie konnte die Zahl der Flüchtlinge in den letzten Jahren stark reduziert werden3.

Über das aktuelle Flüchtlingsdrama vor den Toren Europas berichten die Medien eher am Rande. Auch in der Bevölkerung und den politischen Parteien trifft die Problematik auf verhaltene Resonanz. Auf die Frage, wie die Haltung Europas und Deutschlands in diesem Zusammenhang beurteilt werde, gaben die Gesprächspartner ambivalente Antworten. Europa wird in ökonomischer Hinsicht als Kontinent der Chancen wahrgenommen, die europäische Flüchtlings- und Migrationspolitik hingegen als rigoros und ungerecht kritisiert. Europa und Deutschland gelten als verschlossene und wenig gastfreundliche Regionen. In den aktuellen Ereignissen in Deutschland sehen einige Beniner diese These bestätigt. Andere loben dagegen die Bereitschaft der deutschen Regierung, in Zusammenhang mit dem aktuellen Ansturm zusätzliche Flüchtlinge aufzunehmen.4

1 Vgl. UNICEF, Migration Profile Benin 2014
2 Vgl. OIM, Migration au Bénin. Profil national 2011
3 Vgl. UNHCR, „Aperçu opérationnel sous-régional 2015 – Afrique de l'Ouest"
4 Im Rahmen der vorliegenden Studie wurde ein Fragebogen an diverse Kontakte und KASStipendiaten in den untersuchten Ländern versandt.

Burkina Faso

Elke Erlecke / Valentin Katzer (02.09.2015)
 
Burkina Faso war lange Zeit ein klassisches Emigrationsland. Schätzungen zufolge lebt etwa die Hälfte der Burkinabé im Ausland, insbesondere in der Côte d'Ivoire. In den letzten Jahren kamen weitere Zielländer in Europa und Nordamerika hinzu, wobei sich die Diaspora letztlich über die ganze Welt erstreckt.

Aktuell bewegen sich die Migrationszahlen jedoch auf niedrigerem Niveau. Die Hauptgründe für die Emigration sind sozialer und ökonomischer Natur: Armut, Arbeitslosigkeit, fehlende Perspektiven. Hinzu kommt die gesellschaftliche Stigmatisierung bestimmter Gruppen: Mit HIV infizierte Menschen, unverheiratete schwangere Frauen und alleinerziehende Mütter, Waisen und verstoßene Kinder. Der (vermeintliche) ökonomische Erfolg von Burkinabé in der Diaspora und deren häufig triumphal zelebrierte Rückkehr in die Heimat motiviert Nachahmer.

Vor diesem Hintergrund wird Emigration eigener Landsleute in Burkina Faso, solange er auf legalem Wege vonstattengeht, nicht als Problem angesehen und ein gesellschaftlicher Diskurs findet nur mit geringer Intensität statt. Die Parteien beschränken sich weitgehend darauf, die Schaffung neuer Arbeitsplätze anzumahnen, um die Ursache von illegaler Emigration zu bekämpfen, die durchaus als problematisch angesehen wird. Gelegentlich wird die Frage diskutiert, wie im Ausland erfolgreiche Burkinabé dazu bewegt werden könnten, in Burkina Faso zu investieren. In den sozialen Medien ist das Thema etwas präsenter, ohne jedoch als dominierend gelten zu können. Gelegentlich gibt es kurzlebige Diskussionen, wenn (illegal) in andere Länder eingewanderte Burkinabé ausgewiesen werden. Häufiger sind es ausländische Medien, die das Phänomen der Migration kritisch beleuchten und auf die Probleme von Emigranten im Ausland hinweisen.

Die sozio-ökonomische Situation Burkina Fasos zieht Migranten nicht in besonderem Maße an, sodass sich auch die Frage von deren Integration nicht wirklich stellt. Gegenüber Flüchtlingen (etwa aus Mali) zeigt sich das Land im Allgemeinen hilfsbereit, wenngleich die beschränkten finanziellen Ressourcen des Landes eine effektive Hilfe kaum ermöglichen. Insofern sind die Behörden in der Regel von der finanziellen Unterstützung internationaler Organisationen abhängig. Da es seitens der Bevölkerung keinen nennenswerten Widerstand gegen die Aufnahme von Flüchtlingen gibt, sieht sich die Regierung nicht herausgefordert, wenngleich ihre Handlungsmöglichkeiten begrenzt sind.

Die aktuelle Diskussion in Deutschland und Europa über die Flüchtlingsproblematik wird in Burkina Faso zwar wahrgenommen, ohne dabei jedoch auf besonderes Interesse zu stoßen. In der öffentlichen Diskussion dominiert die politische Transitionsphase im eigenen Land. Die Haltung Europas gegenüber Flüchtlingen und Immigranten wird im Allgemeinen kritisch gesehen. Viele Menschen werfen Europa und insbesondere Frankreich vor, durch seine Außen- und Wirtschaftspolitik mitverantwortlich für die politischen und ökonomischen Krisen sowie die daraus resultierende Migration zu sein, sich gleichzeitig jedoch restriktiv und ablehnend gegenüber Flüchtlingen und Immigranten zu zeigen. Von der deutschen Entwicklungspolitik in Burkina Faso zeichneten die Gesprächspartner hingegen ein durchaus positives Bild. Ein Gesprächspartner gab zu bedenken, dass einige Burkinabé mit Blick auf die nationalsozialistische Vergangenheit Vorbehalte gegenüber Deutschland als vermeintlich „rassistisches" Land hegen würden.

Côte d’Ivoire

Elke Erlecke / Valentin Katzer (02.09.2015)

Als vergleichsweise wohlhabender Staat war die Elfenbeinküste jahrzehntelang ein klassisches Einwanderungsland, insbesondere für Migranten aus der Region. Ein vergleichsweise hoher Anteil der in der Côte d'Ivoire lebenden Menschen, insbesondere im Norden des Landes, hat somit ausländische Wurzeln.

24 Prozent der Gesamtbevölkerung besitzen nach der letzten Volkszählung 2014 eine ausländische Staatsbürgerschaft1. Die Frage, welchen Status und welche Rechte diese Personen haben sollen, wer als Ivorer gilt und wer nicht, spielte im Rahmen des Bürgerkriegs zwischen dem Norden und dem Süden des Landes eine nicht unerhebliche Rolle. Bis heute steht die Frage im Raum, ob die Millionen Einwanderer naturalisiert werden sollten. Es gibt durchaus Stimmen, die die Immigration als Ursache für Arbeitslosigkeit und andere Probleme im Land sehen.

Der Ausbruch der Krise im Jahr 2002 kehrte den Immigrationstrend um und führte bis 2011 zu einer politisch- und sicherheitsbedingten Nettoabwanderung, die wiederum primär innerhalb der Region verlief.2

Seit 2011 ist wieder eine Nettoimmigration, primär aus den ärmeren Ländern Westafrikas, zu verzeichnen.3 Zu nicht unerheblichen Teilen erfolgt diese ohne staatliche Regulierung. Gut gebildete Ivorer zieht es immer häufiger ins europäische oder nordamerikanische Ausland, da es trotz hoher ökonomischer Wachstumsraten an qualifizierten Arbeitsplätzen im Land mangelt.

Die aktuellen Ereignisse um den Ansturm von Flüchtlingen auf Europa stoßen in der Elfenbeinküste auf eher verhaltenes Interesse. Auch Deutschland steht nicht im Fokus der ivorischen Öffentlichkeit. Im Gespräch mit Ivorern zeichnen diese von Europa häufig das Bild eines attraktiven, jedoch wenig aufnahmefreundlichen Kontinents.  

1 „Résultats RGPH 2014: la Côte d'Ivoire compte 23 millions d'habitants"

2 Vgl. OIM, „Migration en Côte d'Ivoire. Profil National 2009"

3 Vgl. Perspective Monde, „Immigration nette, Côte d'Ivoire"

Mali

Elke Erlecke / Valentin Katzer (02.09.2015)

Mali ist von massiver Abwanderung der eigenen Bevölkerung betroffen und so wird Migration als großes Problem wahrgenommen. Die Zielländer liegen überwiegend in Afrika, nur etwa 7 Prozent suchten in den letzten Jahren den Weg nach Europa, wobei dieser Anteil aktuell etwas höher liegen dürfte.1

Viele Menschen hängen von den monatlichen Transferzahlungen von jenen Maliern ab, die es geschafft haben, im Ausland soweit Fuß zu fassen, dass sie über ein regelmäßiges Einkommen verfügen2. In den besonders von den Emigrationsströmen betroffenen Regionen Kayes und Bamako ist die Thematik in den Medien sehr präsent. Radiosendungen behandeln die Problematik regelmäßig und geben beispielsweise der malischen Diaspora die Möglichkeit, über die Arbeits- und Lebensbedingungen im Ausland zu berichten. Die sozialen Medien spielen in Zusammenhang mit Migration eine wichtige Rolle, da sie es den Auswanderern ermöglichen, mit der Heimat und der eigenen Familie in engem Kontakt zu bleiben. Die Regierung hält sich in der Debatte eher zurück, da sie zwar um die Probleme von Migration weiß, jedoch ebenso um die volkswirtschaftliche Bedeutung der Transferzahlungen der malischen Diaspora. Auch die politischen Parteien üben sich in der Diskussion in Zurückhaltung. Über die regelmäßigen Erklärungen nach Flüchtlingskatastrophen hinaus sind sie selten mit klaren Positionierungen oder konstruktiven Vorschlägen wahrnehmbar. Einige zivilgesellschaftliche Vereinigungen greifen das Thema auf und kritisieren beispielsweise den Umgang mit illegalen Migranten im Ausland sowie die Wirtschaftspolitik in Mali, die verantwortlich für die Emigrationsdruck sei.

Die Hauptgründe für die umfangreiche Emigration sind sozialer und ökonomischer Natur: Unterentwicklung, große Arbeitslosigkeit, Armut und fehlende Perspektiven. Angezogen von der vermeintlichen Chance auf Wohlstand, zieht es insbesondere junge Malier in zentralafrikanische Länder (v.a. Angola, Äquatorialguinea, Gabun), nach Europa (Frankreich, Spanien, Italien) und Nordamerika. Die Krise 2013 und die bis heute angespannte Sicherheitslage im Land gehen mit steigenden Flüchtlingszahlen aus Mali einher.

Zwar war Mali in den vergangenen Dekaden immer wieder auch Anlaufstelle für Flüchtlinge aus der Region (u.a. nach dem Krieg zwischen Mauretanien und dem Senegal 1989), aktuell sind Immigration und damit auch Integration in Mali jedoch Themen von nachrangiger Bedeutung. Gleichwohl gibt es in Mali eine ausgeprägte Tradition von Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft gegenüber notleidenden Menschen, Flüchtlingen und Immigranten. Einen Konflikt zwischen Befürwortern und Gegnern offener Grenzen gibt es nicht, da die Mehrheit der Malier davon überzeugt ist, dass ihr Land insgesamt von Migration profitiert.

Im Allgemeinen berichten die lokalen Medien wenig über die aktuelle Flüchtlingsproblematik in Europa. Über internationale Medien verfolgen die Menschen gleichwohl die Ereignisse, zumal sich unter den Opfern der Flüchtlingstragödien auf dem Mittelmeer immer wieder auch Malier befinden. Das Deutschlandbild ist ambivalent. Einerseits bestärken die aktuellen Ereignisse jene, die Deutschland für wenig gastfreundlich und tendenziell „rassistisch" halten. Andererseits wird die malisch-deutsche Zusammenarbeit als sehr positiv bewertet. Insgesamt sind die Kenntnisse über Deutschland und seine Politik jedoch eher gering.

Aufgrund seiner geografischen Lage und den in weiten Landesteilen unzureichenden staatlichen Kontrollen ist Mali darüber hinaus ein wichtiges Transitland für Migrationsströme zwischen West- und Zentralafrika und dem Maghreb.

1 „Mali Migration Data", The Guardian, 10.02.2014, [02.09.2015].

2 Im Jahr 2010 wurde die Größe der malischen Diaspora auf etwa eine Million Menschen geschätzt. Da die Nettoemigration in den letzten Jahren bei über 200.000 lag, dürfte der Wert mittlerweile deutlich höher liegen, so dass ca. ein Zehntel der Malier im Ausland leben. Vgl. IOM, „The Mali Migration Crisis at Glance.

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